Informationen und Beiträge zur Kellerabdichtung, Mauertrocknung Schimmelursachen und häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kompendium Kellerabdichtung

Grundlagen, Schadensanalyse, Abdichtungsverfahren, Hydrophobierung und praxisgerechte Sanierung mit KELLERDICHT-Injektion

Fachliches Kompendium für die Bauwerksabdichtung im Bestand und Neubau

1. Einleitung

Die Kellerabdichtung ist ein wesentlicher Bestandteil des baulichen Feuchteschutzes. Sie schützt erdberührte Bauteile vor dem Eindringen von Wasser und Feuchtigkeit und trägt damit entscheidend zum langfristigen Erhalt der Bausubstanz, zur Nutzbarkeit von Kellerräumen und zur Vermeidung von Bauschäden bei.

Insbesondere bei Bestandsgebäuden treten häufig Feuchteprobleme auf, die auf fehlende, beschädigte oder nicht mehr ausreichend wirksame Abdichtungssysteme zurückzuführen sind. Hinzu kommen ungünstige Bodenverhältnisse, veränderte Grundwasserstände, mangelhafte Entwässerung und eine unzureichende kapillare Sperrwirkung im Mauerwerk.

Eine fachgerechte Kellerabdichtung setzt daher zunächst eine präzise Schadensanalyse voraus. Erst auf dieser Grundlage können geeignete Abdichtungsmaßnahmen ausgewählt und aufeinander abgestimmt werden.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Hydrophobierung von Mauerwerk durch Injektionsverfahren. Hierbei ist KELLERDICHT-Injektion als unser eigenes Produkt zu berücksichtigen.

2. Grundlagen der Kellerabdichtung

2.1 Aufgaben der Bauwerksabdichtung

Die Bauwerksabdichtung soll verhindern, dass Feuchtigkeit und Wasser in Bauteile eindringen oder deren Gebrauchstauglichkeit beeinträchtigen.

Die wichtigsten Aufgaben sind:

  • Schutz vor Bodenfeuchtigkeit und nicht drückendem Wasser
  • Schutz vor zeitweise aufstauendem Sickerwasser und drückendem Wasser
  • Verhinderung kapillar aufsteigender Feuchtigkeit
  • Schutz der Baustoffe vor feuchtebedingter Zerstörung
  • Reduzierung von Schimmelrisiken durch die Vermeidung baulicher Durchfeuchtung
  • Erhalt der Wärmedämmwirkung und der Dauerhaftigkeit von Baustoffen
  • Sicherstellung der vorgesehenen Nutzung von Keller- und Untergeschossräumen

Dabei ist zwischen der Abdichtung gegen seitlich eindringendes Wasser und der horizontalen Abdichtung gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit zu unterscheiden.

2.2 Wasserbeanspruchung erdberührter Bauteile

Die Art der Wasserbeanspruchung ist entscheidend für die Wahl des Abdichtungssystems.

Wasserbeanspruchung

Beschreibung

Typische Maßnahmen

Bodenfeuchtigkeit

Feuchtigkeit im Erdreich ohne hydrostatischen Druck

Geeignete Flächenabdichtung

Nicht drückendes Wasser

Wasser kann versickern und staut sich nicht dauerhaft an

Außenabdichtung, gegebenenfalls Dränung nach Planung

Zeitweise aufstauendes Sickerwasser

Wasser staut sich zeitweise vor dem Bauteil

Abdichtung entsprechend der tatsächlichen Wasserbeanspruchung

Drückendes Wasser

Wasser übt hydrostatischen Druck auf die Konstruktion aus

Druckwasserdichte Abdichtung mit geeigneter Konstruktion

Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit

Wasser wird über Poren und Kapillaren im Baustoff nach oben transportiert

Horizontalsperre, gegebenenfalls Injektionsverfahren

Hygroskopische Feuchte

Baustoffe nehmen Luftfeuchtigkeit oder Feuchtigkeit aus Salzbelastungen auf

Ursachenanalyse, Salz- und Feuchtemanagement

Eine wichtige Grundregel lautet: Nicht jede feuchte Kellerwand benötigt dieselbe Abdichtung. Insbesondere eine Hydrophobierung ersetzt nicht automatisch eine vollwertige Flächenabdichtung gegen drückendes Wasser.

2.3 Normative und technische Grundlagen

Bei der Planung und Ausführung von Kellerabdichtungen sind unter anderem folgende Regelwerke relevant:

  • DIN 18533: Abdichtung von erdberührten Bauteilen
  • DIN 18534: Abdichtung von Innenräumen, soweit entsprechende Anschlussbereiche betroffen sind
  • DIN 4108: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, insbesondere Anforderungen an den Feuchteschutz
  • WTA-Merkblätter zur nachträglichen Mauerwerksabdichtung und zur Instandsetzung feuchte- und salzbelasteter Bauteile
  • DIN EN 1504, soweit Produkte und Verfahren zur Instandsetzung von Betonbauteilen betroffen sind

Die jeweilige Anwendbarkeit, der aktuelle Normenstand sowie die Anforderungen an Produkte und Systeme sind projektbezogen zu prüfen.

3. Ursachen und Erscheinungsformen von Feuchtigkeitsschäden

3.1 Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit

Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit entsteht durch den Transport von flüssigem Wasser innerhalb der Poren und Kapillaren eines Baustoffs. Besonders betroffen sind historische Mauerwerke, ältere Ziegelwände, Natursteinmauerwerke und Konstruktionen ohne wirksame Horizontalsperre.

Typische Schadensbilder:

  • Dunkle Feuchtezonen im unteren Wandbereich
  • Abplatzender und hohlliegender Putz
  • Salzausblühungen
  • Zerstörung von Fugen und Mörtel
  • Abblätternde Beschichtungen
  • Erhöhte Materialfeuchtigkeit im Sockel- und Kellerwandbereich

Die Feuchteverteilung ist nicht immer gleichmäßig. Sie wird unter anderem durch Porengefüge, Verdunstung, Temperatur, Salzbelastung und die Art des Mauerwerks beeinflusst.

Die nachträgliche Herstellung einer horizontalen Sperrebene durch Injektion kann den kapillaren Feuchtetransport begrenzen. Hierbei ist die Injektionsart auf die Mauerwerksstruktur und den tatsächlichen Feuchte- und Durchfeuchtungszustand abzustimmen.

3.2 Seitlich eindringende Feuchtigkeit

Seitlich eindringende Feuchtigkeit entsteht insbesondere durch eine unzureichende oder beschädigte Außenabdichtung.

Mögliche Ursachen:

  • Fehlende Außenabdichtung
  • Gealterte oder beschädigte Abdichtungsbahnen
  • Risse in der Kellerwand
  • Undichte Arbeits- und Bauteilfugen
  • Fehlende oder unzureichende Anschlüsse
  • Fehlerhafte Durchdringungen
  • Undichte Übergänge zwischen Bodenplatte und Wand

Bei dieser Schadensform ist eine rein horizontale Injektion normalerweise nicht ausreichend. Je nach Befund muss eine vertikale Flächenabdichtung von außen oder innen ergänzt werden.

3.3 Hygroskopische Feuchtigkeit und Salzbelastung

Baustoffe können lösliche Salze enthalten, die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen. Besonders relevant sind Chloride, Nitrate und Sulfate.

Die daraus entstehende hygroskopische Feuchte kann zu Schadensbildern führen, die einer aufsteigenden Durchfeuchtung ähneln.

Ein wichtiger Aspekt bei der Sanierung: Auch nach erfolgreicher Reduzierung des kapillaren Feuchtenachschubs können salzbelastete Bauteile weiterhin erhöhte Feuchtewerte zeigen.

Deshalb sollte die Feuchtemessung immer im Zusammenhang mit Salzanalysen, Bauteilaufbau und Umgebungsbedingungen interpretiert werden.

3.4 Kondensationsfeuchtigkeit

Kondensationsfeuchtigkeit entsteht, wenn feuchte Raumluft an kalten Bauteiloberflächen abkühlt und die relative Luftfeuchtigkeit lokal den Taupunkt erreicht.

Typische Situationen:

  • Unbeheizte Keller mit warmer Sommerluft
  • Unzureichend gedämmte Kelleraußenwände
  • Möbel und Einbauten direkt an kalten Außenwänden
  • Fehlende oder ungünstige Lüftung
  • Hohe Raumluftfeuchtigkeit durch Nutzung oder Trocknungsprozesse

Die Behandlung dieser Feuchtigkeitsursache erfordert ein geeignetes Lüftungs- und Nutzungskonzept sowie gegebenenfalls bauphysikalische Maßnahmen. Eine Injektion ist hierfür keine ursächliche Lösung.

4. Methoden der Kellerabdichtung

4.1 Außenabdichtung

Die Außenabdichtung ist in vielen Fällen die konstruktiv bevorzugte Lösung, weil sie Wasser bereits auf der dem Erdreich zugewandten Seite vom Bauteil fernhält.

Typischer Arbeitsablauf:

  1. Erdreich abschnittsweise und standsicher freilegen.
  2. Bestehende Abdichtung und Mauerwerk untersuchen.
  3. Untergrund reinigen und lose Bestandteile entfernen.
  4. Fehlstellen und gegebenenfalls Risse instand setzen.
  5. Untergrund entsprechend dem Abdichtungssystem vorbereiten.
  6. Abdichtungssystem fachgerecht aufbringen.
  7. Anschlüsse, Durchdringungen und Übergänge sorgfältig ausbilden.
  8. Schutz- und gegebenenfalls Wärmedämmschichten anbringen.
  9. Bei entsprechender Planung die Baugrube wieder verfüllen.

Die Wahl des Systems richtet sich nach der Wasserbeanspruchung, der Untergrundbeschaffenheit und den konstruktiven Randbedingungen.

Mögliche Systeme sind:

  • Polymermodifizierte Bitumendickbeschichtungen
  • Mineralische Dichtungsschlämmen
  • Kunststoff- und Elastomerbahnen
  • Bitumen- und Polymerbitumenbahnen
  • Flüssig zu verarbeitende Abdichtungsstoffe

Eine Dränanlage kann die Wasserbeanspruchung reduzieren, ist aber kein Ersatz für eine erforderliche Abdichtung. Planung und Ausführung müssen die Bodenverhältnisse, die Vorflut und die geltenden Anforderungen berücksichtigen.

4.2 Innenabdichtung

Eine Innenabdichtung kommt insbesondere dann infrage, wenn eine Freilegung der Außenwände technisch nicht möglich, wirtschaftlich unverhältnismäßig oder aufgrund baulicher Gegebenheiten ausgeschlossen ist.

Mögliche Systeme:

  • Mineralische Dichtungsschlämmen
  • Reaktive mineralische Abdichtungssysteme
  • Geeignete Verbundabdichtungen
  • Abdichtungsputze und abgestimmte Sanierputzsysteme
  • Spezielle Systeme für die nachträgliche Innenabdichtung

Bei einer Innenabdichtung verbleibt das Außenbauteil unter Umständen weiterhin feucht. Deshalb müssen die Verträglichkeit der Baustoffe, die Salzbelastung, der Dampfdiffusionswiderstand und die möglichen Feuchteumlagerungen berücksichtigt werden.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Wand-Boden-Anschlüsse, Fugen und Durchdringungen.

4.3 Horizontalsperre durch Injektion

Die nachträgliche Herstellung einer Horizontalsperre durch Injektion ist ein bewährter Ansatz zur Verhinderung kapillar aufsteigender Feuchtigkeit.

Hierbei wird ein geeignetes Injektionsmittel über Bohrungen in das Mauerwerk eingebracht. Abhängig vom Wirkprinzip kann die Verteilung durch Schwerkraft, Kapillarsaugwirkung oder kontrollierten Injektionsdruck erfolgen.

Typische Injektionsmittel:

  • Silan- und Siloxan-basierte Produkte
  • Silikonharz- und Silikonharzcremes
  • Silikatbasierte Injektionsmittel
  • Weitere speziell für die nachträgliche Mauerwerksabdichtung entwickelte Injektionsstoffe

Die Funktionsweise hängt wesentlich von der Zusammensetzung des Injektionsmittels und den Eigenschaften des Mauerwerks ab.

Eine Horizontalsperre ist nur dann wirksam, wenn sie die kapillare Transportstrecke ausreichend unterbricht. Hohlräume, stark wechselnde Mauerwerksquerschnitte, hohe Durchfeuchtung und ungünstige Fugenverhältnisse können die Wirksamkeit beeinträchtigen.

5. Hydrophobierung und KELLERDICHT-Injektion

5.1 Was bedeutet Hydrophobierung?

Unter Hydrophobierung versteht man die wasserabweisende Ausrüstung eines porösen Baustoffs. Dabei werden die Oberflächen der Poren und Kapillaren so verändert, dass Wasser schlechter benetzt und aufgenommen wird.

Bei geeigneten Injektionssystemen wird das Hydrophobierungsmittel in das Mauerwerk eingebracht. Nach der Verteilung und Ausbildung der wasserabweisenden Wirkung wird der kapillare Wassertransport reduziert.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen:

  • Wasserabweisung und vollständiger Wasserdichtigkeit
  • Oberflächenhydrophobierung und tiefenwirksamer Injektion
  • Reduzierung der kapillaren Wasseraufnahme und Abdichtung gegen hydrostatischen Druck

Eine hydrophobierende Horizontalsperre verhindert in erster Linie den kapillaren Feuchtenachschub. Sie bildet nicht automatisch eine druckwasserdichte Flächenabdichtung.

5.2 Wirkprinzip der hydrophobierenden Injektion

Bei einer hydrophobierenden Injektion wird ein Wirkstoff in die Porenstruktur des Mauerwerks transportiert. Dort verändert er die Benetzungseigenschaften der Porenoberflächen.

Das Ziel besteht darin, die kapillare Wasseraufnahme und den Feuchtetransport innerhalb der behandelten Zone deutlich zu reduzieren. Die behandelten Porenoberflächen weisen Wasser ab und begrenzen den kapillaren Wassertransport.

Die Wirksamkeit hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Wirkstoff und Konzentration
  • Verteilungsfähigkeit im Mauerwerk
  • Feuchtegehalt zum Zeitpunkt der Injektion
  • Porosität und Kapillarstruktur
  • Art und Zustand der Mörtelfugen
  • Mauerwerksdicke und Wandaufbau
  • Injektionsverfahren und Einbringmenge
  • Ausbildung einer durchgängigen Sperrebene

5.3 KELLERDICHT-Injektion als Bestandteil des Abdichtungskonzepts

KELLERDICHT-Injektion wird in diesem Kompendium als das vorgesehene Produkt für die hydrophobierende Injektionsmaßnahme berücksichtigt.

Die konkrete technische Einordnung muss anhand der Produktunterlagen erfolgen. Insbesondere ist zu klären, ob das Produkt als hydrophobierendes Injektionsmittel für die nachträgliche Horizontalsperre, als flächig verteilbares Injektionsmittel oder für weitere Anwendungen vorgesehen ist.

5.4 Planung und Ausführung einer Injektionsmaßnahme

Eine Injektion sollte in mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten erfolgen.

  1. Bestandsaufnahme
    Ermittlung der Wanddicke, des Mauerwerksverbands, des Feuchtebildes und vorhandener Sperrschichten. Besonderheiten wie Hohlräume, Mischmauerwerk und stark geschädigte Fugen sind zu dokumentieren.
  2. Schadensdiagnose
    Prüfung, ob tatsächlich kapillar aufsteigende Feuchtigkeit vorliegt oder andere Ursachen, beispielsweise seitlich eindringendes Wasser, Kondensation oder hygroskopische Salzbelastung, maßgeblich sind.
  3. Festlegung der Injektionsebene
    Die Lage der Bohrungen wird so gewählt, dass die Sperrebene die kapillare Transportstrecke möglichst vollständig unterbricht. Vorhandene Bodenaufbauten und Anschlussdetails sind zu berücksichtigen.
  4. Bohrungen
    Bohrlochdurchmesser, Bohrlochtiefe, Neigung und Abstand werden nach dem konkreten Produkt- und Systemkonzept festgelegt.
  5. Vorbereitung des Mauerwerks
    Bohrlöcher werden entsprechend der Produktvorgaben von Bohrstaub und losen Bestandteilen befreit. Bei stark geschädigten oder hohlraumreichen Konstruktionen können zusätzliche Maßnahmen notwendig sein.
  6. Einbringen des Injektionsmittels
    KELLERDICHT-Injektion wird nach der zugehörigen Verarbeitungsvorschrift eingebracht. Die Materialmenge, das Einbringverfahren und die vollständige Versorgung der vorgesehenen Sperrebene sind zu kontrollieren.
  7. Verschließen und Nachbehandlung
    Bohrlöcher werden systemgerecht verschlossen. Anschließend wird das Bauteil entsprechend dem Sanierungskonzept weiterbehandelt.
  8. Erfolgskontrolle
    Die Entwicklung der Materialfeuchte wird über einen geeigneten Zeitraum mit dokumentierten Messverfahren überprüft. Die Austrocknung kann abhängig von Wanddicke, Salzbelastung, Baustoff und Raumklima erheblich variieren.

5.5 Typische Fehler bei der hydrophobierenden Injektion

Fehler in der Planung oder Ausführung können die Wirksamkeit einer Injektionssperre erheblich beeinträchtigen.

Häufige Ursachen sind:

  • Unzureichende Diagnose der tatsächlichen Feuchteursache
  • Nicht auf das Produkt abgestimmte Bohrlochgeometrie
  • Unvollständige Verteilung des Injektionsmittels
  • Fehlende Berücksichtigung von Hohlräumen und Mischmauerwerk
  • Falsche Einschätzung der Durchfeuchtung
  • Unterbrechungen der Sperrebene
  • Fehlende Anschlussdetails an Querwände und Innenwände
  • Unzureichende Nachbehandlung des salzbelasteten Mauerwerks
  • Zu frühe Beschichtung oder Verkleidung feuchter Wandbereiche

Eine Injektionsmaßnahme ist immer als Teil eines Gesamtsanierungskonzepts zu betrachten.

6. Weitere Verfahren der nachträglichen Mauerwerksabdichtung

Neben der hydrophobierenden Injektion existieren weitere Verfahren, die je nach Bauwerkszustand eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung darstellen.

6.1 Mechanische Horizontalsperre

Bei der mechanischen Horizontalsperre wird eine durchgehende Sperrschicht durch einen Eingriff in den Mauerwerksquerschnitt hergestellt.

Verfahren:

  • Mauersägeverfahren
  • Mauertrennverfahren
  • Blech- beziehungsweise Edelstahlplattenverfahren
  • Abschnittsweiser Austausch von Mauerwerksbereichen mit Einbau einer Sperrschicht

Vorteile:

  • Definierte physische Trennung des Mauerwerks
  • Bei sachgerechter Ausführung weitgehend unabhängig von der chemischen Zusammensetzung des Mauerwerks
  • Geeignet für bestimmte schwierige Mauerwerkskonstruktionen

Nachteile:

  • Hoher baulicher Eingriff
  • Statische und konstruktive Risiken
  • Aufwendige Ausführung
  • Häufig höhere Kosten
  • Besondere Anforderungen an die Sicherung des Gebäudes

Die mechanische Horizontalsperre eignet sich insbesondere dann, wenn eine Injektion aufgrund der Mauerwerksstruktur nicht zuverlässig ausgeführt werden kann.

6.2 Flächeninjektion

Eine Flächeninjektion kann bei seitlich eindringender Feuchtigkeit oder bei speziellen Hohlraum- und Risssituationen eingesetzt werden.

Hierbei wird ein geeignetes KELLERDICHT-Injektion in einem systematisch angeordneten Bohrlochraster in die Wand eingebracht.

Die Flächeninjektion ist von einer hydrophobierenden Horizontalsperre zu unterscheiden. Die Eignung hängt von der jeweiligen Wasserbeanspruchung, dem Mauerwerk und dem Injektionssystem ab.

6.3 Riss- und Fugeninjektion

Riss- und Fugeninjektionen dienen der gezielten Abdichtung wasserführender Risse und Fugen.

Typische Injektionsstoffe:

  • Polyurethanharze
  • Acrylatgele
  • Epoxidharze
  • Mineralische Injektionsstoffe

Die Auswahl richtet sich nach der Rissbreite, der Wasserführung, der Bewegungsaufnahme, dem Untergrund und dem gewünschten Abdichtungsziel.

Bei wasserführenden Rissen muss zunächst die Ursache untersucht werden. Eine Injektion darf keine erforderliche konstruktive Instandsetzung ersetzen.

7. Feuchtigkeitsdiagnostik und Schadensanalyse

Eine fundierte Schadensanalyse ist die Voraussetzung für eine wirtschaftliche und dauerhafte Kellerabdichtung.

7.1 Sichtprüfung

Bei der ersten Untersuchung werden folgende Punkte erfasst:

  • Lage und Ausdehnung der Feuchtezonen
  • Feuchteverteilung über die Wandhöhe
  • Zustand des Putzes und der Beschichtungen
  • Salzbelastungen und Ausblühungen
  • Risse und Fugen
  • Zustand der Wand-Boden-Anschlüsse
  • Vorhandene Abdichtungssysteme
  • Außenanlagen, Geländeanschlüsse und Entwässerung

Eine fotografische Dokumentation sollte die Schadensbilder und die wesentlichen konstruktiven Details erfassen.

7.2 Messverfahren

Verfahren

Zweck

Einschränkung

Elektrische Widerstandsmessung

Orientierende Feuchteverteilung

Salzgehalte und Baustoffart beeinflussen Messwerte

Kapazitive Messung

Vergleichende Feuchtebewertung

Keine unmittelbare quantitative Bestimmung der Materialfeuchte

Darr-Methode

Bestimmung des gravimetrischen Wassergehalts

Zerstörende Probenahme erforderlich

CM-Methode

Bestimmung des Feuchtegehalts nach geeignetem Prüfverfahren

Materialabhängigkeit und Probenahme beachten

Salzanalytik

Ermittlung löslicher Salze

Laboranalytik erforderlich

Thermografie

Erkennen von Temperaturunterschieden

Feuchtigkeit wird nur indirekt erfasst

Klimamessung

Bewertung von Raumklima und Kondensationsrisiken

Aussagekraft hängt von Messdauer und Randbedingungen ab

Die Auswahl des Messverfahrens muss zur Fragestellung passen. Einzelne Messwerte reichen nicht aus, um die Ursache einer Durchfeuchtung zweifelsfrei zu bestimmen.

7.3 Feuchteprofile

Bei komplexen Schadensbildern empfiehlt sich die Entnahme von Materialproben in unterschiedlichen Höhen und Tiefen.

So können Feuchteprofile erstellt werden, die unter anderem folgende Fragen beantworten:

  • Ist der Feuchtegehalt im unteren Wandbereich deutlich höher?
  • Bestehen Unterschiede zwischen Wandoberfläche und Wandkern?
  • Ist eine seitliche Durchfeuchtung erkennbar?
  • Liegen Hinweise auf hygroskopische Feuchte vor?
  • Verändert sich die Feuchteverteilung mit der Tiefe?

Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Injektion mit KELLERDICHT-Injektion allein ausreicht oder weitere Abdichtungsmaßnahmen erforderlich sind.

8. Auswahl der geeigneten Abdichtungsmaßnahme

Die Wahl eines Abdichtungssystems sollte sich an der Schadensursache und der tatsächlichen Wasserbeanspruchung orientieren.

Schadensbild

Primär geeignete Maßnahme

Ergänzende Maßnahmen

Aufsteigende kapillare Feuchtigkeit

Nachträgliche Horizontalsperre, mit KELLERDICHT-Injektion

Putzsanierung, Salzmanagement

Seitlich eindringende Feuchtigkeit

Außen- oder geeignete Innenabdichtung

Fugen- und Risssanierung

Drückendes Wasser

Dafür ausgelegtes druckwasserdichtes Abdichtungssystem

Fugen- und Durchdringungsabdichtung

Kondensationsfeuchtigkeit

Raumklimatische und bauphysikalische Maßnahmen

Wärmedämmung, Lüftungskonzept

Hygroskopische Feuchtigkeit

Ursachen- und Salzmanagement

Geeigneter Sanierputz, Feuchteregulierung

Undichte Wand-Boden-Fuge

Systemgerechte Fugenabdichtung

Ergänzende Flächenabdichtung

Mehrere Schadensursachen

Kombiniertes Abdichtungskonzept

Gegebenenfalls Injektion, Außenabdichtung und Putzsanierung

Praxisbeispiel: Altbaukeller mit aufsteigender Feuchtigkeit

Ein älterer Keller weist im unteren Wandbereich Feuchtigkeit, Salzausblühungen und Putzabplatzungen auf. Die Außenwand ist teilweise erdberührt. Die Untersuchung zeigt eine fehlende Horizontalsperre und keine wesentliche seitliche Wasserbeanspruchung.

Ein mögliches Sanierungskonzept umfasst:

  • Nachträgliche Horizontalsperre durch Injektion mit KELLERDICHT-Injektion
  • Entfernung nicht tragfähiger und stark salzbelasteter Putzbereiche.
  • Gegebenenfalls geeignete Salzreduzierungs- und Putzmaßnahmen.
  • Kontrolle der Wandfeuchte und des Raumklimas.
  • Dokumentierte Erfolgskontrolle über einen geeigneten Zeitraum.

Bei zusätzlich festgestellter seitlicher Durchfeuchtung muss eine entsprechende vertikale Abdichtung eingeplant werden.

9. Putzsysteme und flankierende Sanierungsmaßnahmen

9.1 Sanierputzsysteme

Sanierputze können bei salzbelastetem Mauerwerk sinnvoll sein. Sie dienen unter anderem dazu, das Schadensbild durch Salzeinlagerung und Verdunstung an der Oberfläche zu reduzieren.

Sie sind jedoch keine Abdichtung gegen eindringendes Wasser und ersetzen keine erforderliche Horizontalsperre oder Flächenabdichtung.

Die Auswahl des Putzsystems richtet sich unter anderem nach:

  • Art und Höhe der Salzbelastung
  • Restfeuchte des Mauerwerks
  • Wasserdampfdiffusionsverhalten
  • Untergrundfestigkeit
  • Geplanter Oberflächenbeschichtung
  • Raumklima und Nutzungsbedingungen

9.2 Innenbeschichtungen

Nach der Abdichtung können geeignete Beschichtungen erforderlich sein.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Beschichtung zum Feuchte- und Salzverhalten des Bauteils passt. Besonders bei noch feuchten Bestandswänden können dichte, ungeeignete Beschichtungen zu Feuchteumlagerungen und neuen Schäden führen.

9.3 Lüftung und Nutzung

Ein dauerhaft funktionierendes Feuchtemanagement umfasst auch die richtige Nutzung der Kellerräume.

Empfehlungen:

  • Lüftung abhängig von Außenlufttemperatur und absolutem Feuchtegehalt
  • Vermeidung unnötiger Feuchteeinträge
  • Ausreichender Abstand von Möbeln zu kalten Außenwänden
  • Gegebenenfalls technische Entfeuchtung
  • Kontrolle der Raumluftfeuchtigkeit und der Oberflächentemperaturen

Insbesondere im Sommer kann eine unkontrollierte Lüftung mit warmer, feuchter Außenluft zu einer zusätzlichen Kondensationsbelastung führen.

10. Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle

Die Qualitätssicherung ist ein wesentlicher Bestandteil jeder professionellen Kellerabdichtung. Sie beginnt mit der Planung und endet nicht mit der Fertigstellung der Abdichtungsarbeiten.

10.1 Qualitätskontrolle während der Ausführung

Bei einer Injektionsmaßnahme mit KELLERDICHT-Injektion sollten insbesondere folgende Punkte dokumentiert werden:

  • Zustand und Aufbau des Mauerwerks
  • Lage und Verlauf der Injektionsebene
  • Bohrlochabstände und Bohrlochtiefen gemäß Systemvorgabe
  • Verwendete Produktcharge
  • Verbrauch und eingebrachte Materialmenge
  • Ausführungsbedingungen und Umgebungsbedingungen
  • Besondere Vorkommnisse wie Hohlräume, Materialverlust oder ungleichmäßige Aufnahme
  • Verschluss und Nachbehandlung der Bohrlöcher

Eine lückenlose Dokumentation verbessert die Nachvollziehbarkeit der Ausführung und erleichtert spätere Bewertungen.

10.2 Beurteilung der Wirksamkeit

Eine erfolgreiche Injektion führt nicht zwangsläufig zu einer sofortigen Trocknung der Wand.

Die Trocknungsgeschwindigkeit hängt von zahlreichen Faktoren ab, insbesondere:

  • Wanddicke und Baustoffart
  • Ausgangsfeuchte
  • Salzbelastung
  • Verdunstungsbedingungen
  • Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Zusätzlichen Feuchteeinträgen

Für die Erfolgskontrolle sollten möglichst vergleichbare Messbedingungen und geeignete Messmethoden verwendet werden.

Eine aussagekräftige Bewertung basiert auf wiederholten Messungen, einer Schadensbildkontrolle und gegebenenfalls einer erneuten Materialprobenanalyse.

11. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Eine fachgerechte Kellerabdichtung kann den Werterhalt einer Immobilie sichern und Folgeschäden reduzieren. Die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme hängt jedoch nicht allein von den unmittelbaren Baukosten ab.

Zu berücksichtigen sind:

  • Aufwand für Erdarbeiten und Freilegung
  • Kosten für Abdichtungsstoffe und Injektionsmaterial
  • Arbeitsaufwand und Baustelleneinrichtung
  • Erforderliche Vor- und Nacharbeiten
  • Nutzungseinschränkungen während der Sanierung
  • Dauerhaftigkeit und Wartungsbedarf
  • Folgekosten durch möglicherweise nicht beseitigte Feuchteursachen

Eine nachträgliche Injektion kann bei geeigneten Schadensbildern eine wirtschaftliche Alternative zu umfangreichen baulichen Eingriffen sein. Das gilt besonders dann, wenn eine wirksame horizontale Sperrebene ohne aufwendige Freilegung hergestellt werden kann.

Die Nachhaltigkeit wird außerdem durch die Verlängerung der Nutzungsdauer der vorhandenen Bausubstanz, die Vermeidung unnötiger Abbrucharbeiten und die Reduzierung feuchtebedingter Folgeschäden beeinflusst.

12. Normen und technische Regelwerke

Zum Stand Oktober 2026 ist insbesondere die neue Normenreihe DIN 18533 in der Ausgabe Juni 2026 zu berücksichtigen.

Regelwerk

Relevanz

DIN 18533-1:2026-06

Anforderungen, Planung und Ausführungsgrundsätze für die Abdichtung erdberührter Bauteile

DIN 18533-2:2026-06

Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen

DIN 18533-3:2026-06

Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen

DIN 4095-1:2026

Planung, Bemessung und Ausführung von Dränanlagen, soweit anwendbar

WTA-Merkblätter

Technische Empfehlungen für nachträgliche Mauerwerksabdichtung und Instandsetzung

DIN 4108

Wärmeschutz und Feuchteschutz im Hochbau

Die DIN 18533 wurde im Juni 2026 grundlegend neu strukturiert. Unter anderem wurden die Regelungen zur Wasserbeanspruchung überarbeitet und die frühere Einteilung der Wassereinwirkungsklassen angepasst. Die neue Reihe unterscheidet zudem zwischen den verschiedenen Abdichtungsstoffgruppen. 

Wichtig ist, dass die DIN 18533 nicht pauschal als Ausführungsnorm für alle nachträglichen Injektionsverfahren herangezogen werden kann. Für die nachträgliche Instandsetzung im Bestand sind zusätzlich die einschlägigen WTA-Regelwerke, die Produktnachweise und die objektspezifischen Planungsgrundlagen zu berücksichtigen.

13. Zusammenfassung und fachliche Schlussfolgerungen

Die Kellerabdichtung ist eine komplexe bautechnische Aufgabe, bei der die Ermittlung der tatsächlichen Feuchteursache im Mittelpunkt stehen muss.

Die wichtigsten Erkenntnisse dieses Kompendiums:

  • Schadensdiagnose vor Sanierung: Eine wirksame Maßnahme setzt eine korrekte Unterscheidung zwischen kapillarer Feuchtigkeit, seitlich eindringendem Wasser, Kondensation und hygroskopischer Feuchte voraus.
  • Systemgerechte Abdichtung: Außenabdichtung, Innenabdichtung und Horizontalsperre erfüllen unterschiedliche Aufgaben und müssen entsprechend der Wasserbeanspruchung ausgewählt werden.
  • Hydrophobierung als gezielte Maßnahme: Eine hydrophobierende Injektion kann den kapillaren Feuchtetransport begrenzen, ist aber nicht automatisch eine druckwasserdichte Abdichtung.
  • KELLERDICHT-Injektion als Produktkomponente: Die Integration unseres Produkts erfolgt im Rahmen der nachträglichen Injektionsabdichtung.
KellerDicht.NRW Bild mit KI-Unterstützung generiert

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