Informationen und Beiträge zur Kellerabdichtung, Mauertrocknung Schimmelursachen und häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die geltenden Regeln der Technik

Die Abdichtung von Bestandsgebäuden gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Bauwerkserhaltung. Im Gegensatz zum Neubau, bei dem vertikale und horizontale Sperren flächig von außen aufgebracht werden können, erfordert die Nachträgliche Kellersanierung im Bestand maßgeschneiderte Sonderlösungen.

Zwei wesentliche Verfahren zur Sanierung feuchtebelasteter Kellerwände sind die nachträgliche Kapillarsperre (Horizontalsperre) sowie die Negativabdichtung (Innenabdichtung). Beide Verfahren sind im Regelwerk streng definiert.

1. Die anerkannten Regeln der Technik (a.R.d.T.)

Die wichtigsten normativen Grundlagen und Merkblätter für die Innen- und Nachträgliche Abdichtung im Bestand sind:

  • DIN 18533 (Teil 1 bis 3): Abdichtung von Erdberührten Bauteilen. Sie ist der Nachfolger der alten DIN 18195. Während die DIN 18533 primär für die Außenabdichtung konzipiert ist, regelt sie auch die Einwirkungen von Bodenfeuchte und drückendem/nichtdrückendem Wasser.
  • WTA-Merkblatt 4-6: Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.). Das Merkblatt gilt als maßgebliche Richtlinie für Innenabdichtungen im Bestand.
  • WTA-Merkblatt 4-10: Injektionsverfahren mit zertifizierten Injektionsstoffen gegen kapillare Feuchtigkeit. Maßgebendes Regelwerk für chemische Kapillarsperren.
  • WTA-Merkblatt 2-9: Sanierputzsysteme. Regelt die flankierenden Maßnahmen zur Aufnahmen von Salzen und Vermeidung von Kondensatschäden.

2. Kapillarsperren (Horizontalsperren) im Bestand

Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, wenn Poren im Mauerwerk Wasser entgegen der Schwerkraft nach oben saugen. Eine Kapillarsperre unterbricht diesen Transport.

Mechanische Verfahren

  • Mauerwerkssägeverfahren: Durchtrennen des Mauerwerks mit Diamant- oder Kettensägen und Einschieben von hochdichten Kunststoff- oder Edelstahlplatten.
  • Maueraustauschverfahren: Abschnittsweises Entnehmen von Ziegeln und Ersetzen unter Einlegen einer Bitumen- oder Folienbahn.
  • Rammblechverfahren: Einrammen von gewellten Edelstahlblechen in durchgehende Lagenfugen (nur bei durchgehender Lagenfuge möglich).

Chemische Injektionsverfahren nach WTA-Merkblatt 4-10

Soll die Wandstruktur erhalten bleiben, wird Injektionsmittel über Bohrkanäle eingebracht. Es unterscheidet sich in zwei Wirkungsweisen:

  1. Porenverengende/Porenverstopfende Stoffe: Verringern den Kapillardurchmesser.
  2. Hydrophobierende Stoffe: Verändern die Oberflächenspannung der Porenwandung (das Wasser wässert das Material nicht mehr, Kapillarwirkung stoppt).

Verfahren / StoffgruppeTypische WerkstoffeVoraussetzungen / GrenzeDrucklose InjektionMicroemulsionen, Silane/Siloxane, CremesHoher Zeitbedarf; funktioniert nur bis zu einem Durchfeuchtungsgrad (DFG) von ca. 60–70 %.DruckinjektionPolyurethanharze (PUR), Acrylatgele, SilansystemeNotwendig ab DFG > 70 %; sorgt für gleichmäßige Verteilung auch bei hoher Feuchte.

Feuchtegehalt-Bestimmung: Vor jeder Injektion muss nach WTA der Durchfeuchtungsgrad (DFG) mittels Darr-Methode bestimmt werden, um das passende Injektionsmittel und das Injektionsverfahren (drucklos vs. Druck) festzulegen.

3. Die Negativabdichtung (Innenabdichtung)

Eine Innenabdichtung kommt zum Einsatz, wenn die Außenwand von außen nicht freigelegt werden kann (z. B. durch Überbauung, Grenzbebauung oder unwirtschaftlichen Aushub).

Eine Innenabdichtung ist eine Negativabdichtung: Das Wasser drückt von außen gegen die Wandstruktur durch das Mauerwerk hindurch und trifft erst an der Rauminnenseite auf die Sperrschicht.Außen (Erdreich/Wasser) --> [ Mauerwerk (durchfeuchtet) ] | (Sperrschicht/Dichtschlämme) | Innenseite (Trocken) ▲ Negativabdichtung

Systemaufbau nach WTA-Merkblatt 4-6

Eine regelkonforme Negativabdichtung erfordert zwingend eine aufeinander abgestimmte Systemkette:

  1. Untergrundvorbereitung: Entfernen alter Putze, Säubern der Fugen und Herstellen eines tragfähigen, mineralischen Untergrunds. Flankierende Salze müssen durch Abstimmen des Verfahrens (z. B. Nitratsperren oder Vorbehandlung) berücksichtigt werden.
  2. Hohlkehlenausbildung: An der Wand-Sohlen-Anbindung muss eine Hohlkehle aus Sperrmörtel angelegt werden, um Spannungsspitzen in den Abdichtungsecken zu vermeiden.
  3. Abdichtungsschicht:
    • Mineralische Dichtungsschlämmen (MDS): Starre oder flexibilisierte Schlämmen, die den negativen Wasserdruck (Prüfung auf Unterdruckfestigkeit erforderlich) aufnehmen können.
    • Kompaktdichtungen (FPD / KMB): Flexible polymermodifizierte Dickbeschichtungen, sofern sie für den Negativdruck zugelassen sind.
  4. Flankierende Maßnahmen (Kondensatschutz & Kapillarität):
    • Da das Mauerwerk hinter der Abdichtung feucht bleibt, sinkt dessen Dämmwert und die Innenoberfläche wird kälter.
    • Es muss zwingend ein System gegen Kondenswasserbildung integriert werden: Sanierputzsysteme (WTA 2-9) oder Calciumsilikatplatten/Mineraldämmplatten zur Vermeidung von Schimmelpilzbildung.

4. Typische Fehlerquellen in der Praxis

  • Fehlende Gesamtdiagnose: Anbringen von Dichtschlämmen ohne vorherige Feuchte- und Salzanalytik.
  • Vernachlässigung der Flanken: Eine fehlende vertikale Sperre im Übergangsbereich zu Innenwänden führt zu seitlicher Feuchteausbreitung (Flankenwanderung).
  • Taupunktunterschreitung: Verputzen einer Negativabdichtung mit Standard-Gipsputz statt dampfoffener Sanierputze/Klimaplatten – Schimmelbildung durch Raumkondensat ist die Folge.
  • Lückenhafte Einbindung der Wand-Sohlen-Anbindung: Wenn die Horizontalsperre im Wandfuß und die Bodensperre nicht überlappend verbunden sind, steigt Wasser über den Sockelbereich auf.

Fazit

Nachträgliche Kapillarsperren und Negativabdichtungen ersetzen im Bestand die fehlende oder defekte Außenabdichtung, erfordern jedoch ein präzises Zusammenspiel von Diagnose und Werkstoffauswahl. Während die Kapillarsperre das Aufsteigen von Wasser verhindert, stoppt die Negativabdichtung den seitlichen Feuchteeintritt.

Nur durch Einhaltung der Vorgaben der DIN 18533 sowie der WTA-Merkblätter 4-6 und 4-10 – kombiniert mit abgestimmten Sanierputz- oder Innendämmsystemen – lässt sich ein Keller dauerhaft schadensfrei und nutzbar halten.

KellerDicht.NRW Bild mit KI-Unterstützung generiert

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